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Die Therapiedecke – ein Erfahrungsbericht

Therapiedecken (auch unter dem Namen Gewichtsdecken oder Gravity Blanket bekannt) sind, wie der Name Gewichtsdecke schon suggeriert, schwerer als gewöhnliche Decken. Durch den sanften Druck sollen sie uns entspannen und dabei helfen, schneller einzuschlafen. Gewöhnlich werden diese Decken mit einem Gewicht von vier bis zehn Kilogramm angeboten. Optimalerweise sollte das Gewicht einer Decke 10% des eigenen Körpergewichts betragen. Zu kaufen gibt es die Therapiedecken in drei verschiedenen Preiskategorien und sind somit für nahezu jeden Geldbeutel geeignet.

Tschüss schlaflose Nächte, hallo Leben!

Am Anfang klang es ziemlich merkwürdig – eine Bettdecke mit 10% des eigenen Körpergewichts schien mir wie eine dieser neuen Marketing-Trends, die keiner braucht. Schließlich gibt es mittlerweile für jedes kleinste Wehwehchen ein Produkt, das alle Probleme lösen soll. Meist sind das nur leere Versprechungen.

Aber dann kam sie an, die Therapiedecke, die ein sanftes, liebevolles Umarmen imitieren und so auch für Patienten mit Angststörung und Autismus geeignet sein soll. Bestellen kann man sie ganz bequem in verschiedenen Onlineshops oder auf Amazon. Zur Auswahl stehen in der Regel verschiedene Farben (zum Beispiel Grau oder Blau) mit Sommer- oder Winterbezügen in diversen Größen. Bei den Gewichten konnte ich mich entscheiden zwischen einer mit 4, 6, 8, 10 oder 12 Kilogramm. Da ich 60 Kilogramm wiege, bestellte ich das 6 Kilogramm Modell mit grauem Sommerbezug in der Größe 135x200cm, weil ich alleine schlafe.

Tag 1

Ich bemerkte schnell, warum Therapiedecken immer beliebter werden, denn sie presst einen zart aber bestimmt ins Bett, ein ungewohntes aber angenehmes Gefühl. Das schwere Gewicht, das einen umhüllt, zwingt förmlich dazu, sich zu entspannen.

Nachlassender Zauber

Tag 10

Nach ein paar Tagen habe ich mich an die Therapiedecke gewöhnt. Besonders positiv empfinde ich das Außenmaterial, was sich sehr weich anfassen lässt und wie ein Kokon an die eigene Haut schmiegt. Mit der Gewichtsdecke konnte ich nach langer Zeit endlich wieder ein paar Nächte durchschlafen.

Tag 30

Dieser Zauber lässt allerdings nach einer Zeit nach. Es ist, wie bei so vielen Dingen, einfach nichts Besonderes mehr. Also beschließe ich die Gewichtsdecke in Intervallen zu benutzen. Nur dann, wenn ich sie wirklich brauche, um sie wieder mehr schätzen zu lernen. Meine bisherige Decke fühlte sich inzwischen nur noch wie ein Taschentuch an.

Intervalle auch deswegen, weil die (bauartbedingt) recht dicke Decke schlicht und einfach zu warm ist für heiße Nächte. Das mag daran liegen, dass der Bezug aus Polyester besteht. Ein wenig enttäuschend, wenn man bedenkt, dass mein Modell mit knapp 250 Euro nicht gerade günstig ist. Vor dem Hintergrund, dass es bereits Therapiedecken aus 100% Baumwolle ab 40 Euro gibt, ist das besonders ärgerlich. Bei meiner Gewichtsdecke war es sogar nötig, sie regelmäßig zurechtzuschütteln, da die Perlen innerhalb eines abgesteppten Bereiches immer in eine Ecke rutschten. Und das obwohl ich mit dem teuersten Modell die feinsten Glaskügelchen im Innenfutter besitze. Im Gegensatz zu den günstigeren Modellen, die mit viel größeren Glasperlen ausgestattet sind.

Im Gegensatz zu einer Daunendecke ist die Reinigung einer Therapiedecke recht einfach. Man darf sie in der Waschmaschine bei ca. 40 Grad waschen – was ich auch gleich getan habe. Hierbei wichtig ist nur, dass man das maximale Füllgewicht der Waschmaschine beachtet und nicht überschreitet.

So schön einen die Therapiedecke abends ins Bett drückt, so schwer lässt sie einen morgens wieder aufstehen. Deshalb hat es sich bei mir bewährt, die Decke zehn Minuten vor dem Aufstehen beiseite zu legen und noch etwas im Bett liegen zu bleiben.

Linderung der Symptome

Über das Wochenende kam mich eine Freundin besuchen, die unter einer generalisierten Angststörung und leichten Panikattacken leidet. Sie schlief zwei Nächte bei mir. Da erinnerte ich mich, dass die Gewichtsdecke psychische Erkrankungen dieser Art lindern soll. Ich gab sie ihr für die Zeit, die sie bei mir war. Ich glaube sie hat genau die gleiche Magie gespürt, wie ich. Sie war so begeistert, dass sie sich selbst eine solche Decke gekauft hat. Das gleiche gilt für meinen Bruder, der das Wochenende darauf zu mir kam. Er leidet unter Autismus und auch er empfand die Decke als positiv.

Genuss in Maßen

Und mich hat die Decke ebenfalls überzeugt. Sicherlich ist sie gewöhnungsbedürftig und anfangs nicht so einfach in der Handhabung, aber hat man den Dreh erstmal raus, kann einen die Decke nur bereichern. Es ist wie bei so vielen Dingen im Leben: Man sollte sie in Maßen genießen. So bleiben sie etwas Besonderes.

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